Transzendenz

Der Begriff Transzendenz stammt von dem lateinischen Wort transcendentia „das Übersteigen” und ist in der Geschichte der Philosophie auf unterschiedliche Weise verwendet worden. Ganz allgemein bezeichnet die Transzendenz das Überschreiten einer Grenze, die zwei ihrer Natur nach grundlegend verschiedenartige Bereiche voneinander trennt.

Dabei spielen oftmals auch religiöse Vorstellungen mit hinein und es geht dann um das Überschreiten der beschränkten sinnlichen Erfahrungswelt auf deren göttlichen Grund hin. So wird auch transzendenten Wesen oder Erfahrungen gesprochen, wenn damit Gott oder göttliche Wesen beziehungsweise die Erfahrung davon gemeint ist.

Entstehung des Begriffs

Die philosophische Annahme zweier derartig unterschiedlicher Bereiche gibt es schon in der Antike bei Platons Ideenlehre, nach der es einen Bereich der nur geistig erfassbaren Ideen gibt, der getrennt existiert von der Welt der sinnlichen Erfahrungen und gleichzeitig ursächlich ist für diese. Doch der Bergriff der Transzendenz taucht in diesem Zusammenhang erst in der Spätantike und im Mittelalter auf. So schreibt der Kirchenvater Augustinus von einem Erkenntnisweg, auf dem man von einer niederen Ebene der Wirklichkeit zu einer höheren übergeht. Mittelalterliche Philosophen übernahmen Augustinus Lehre, der Mensch müsse seinen Geist überschreiten, um zum eigentlichen Sein, dem Sein Gottes zu gelangen.

Transzendenz und Agnostizismus

Laut Kant ist Transzendenz das was ausserhalb menschlicher Vorstellungskraft liegt

Laut Kant ist Transzendenz das was ausserhalb menschlicher Vorstellungskraft liegt

In der frühen Neuzeit bei Kant bezeichnet die Transzendenz dasjenige, was jenseits menschlicher Erfahrung liegt und daher der theoretischen Erkenntnis unzugänglich ist. Er zieht er einen Trennstrich zwischen dem, was wissenschaftlich erklärt werden kann und dem, was man nur annehmen kann. Damit nimmt er wie auch die Philosophen David Hume und Søren Kierkegaard eine kritische Gegenposition zu den unterschiedlichen Gottesbeweisen der Mittelalter-Philosophie ein. Danach kann die Existenz oder Nichtexistenz des Göttlichen durch den menschliche Geist nicht erkannt, sondern nur angenommen werden. Einen Erkenntnisweg der Transzendenz, wie er von Augustinus und vielen Philosophen des Mittelalters postuliert wird, gibt es hiernach nicht. Bei einer solchen agnostischen Weltanschauung wird die Möglichkeit transzendenter Prinzipien nicht bestritten, sondern lediglich die prinzipielle Begrenztheit menschlicher Erkenntnis betont. Obwohl der Begriff des Agnostizismus erst im 19. Jahrhundert maßgeblich geprägt wurde, ist die Idee davon mindestens so alt wie die der Transzendenz und wird schon von den sophistischen Philosophen der Antike diskutiert. In den unterschiedlichen Ausprägungen des Agnostizismus gilt alles Transzendente als entweder unbekannt, grundsätzlich unerkennbar oder für das Leben irrelevant.

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