Agnostizismus im Alltag

Agnostiker beschäftigen sich viel mit Literatur ( Bildquelle: © ra2 studio - Fotolia.com )

Der Ursprung des Wortes Agnostizismus liegt im Altgriechischen und bedeutet, etwas nicht zu wissen. In der großen Frage nach der Existenz Gottes, nimmt der Agnostizismus eine neutrale Zwischenposition ein. Der Agnostiker vertritt die Ansicht, dass man die Existenz eines Gottes weder beweisen, noch widerlegen kann.

Agnostizismus ist nicht mit einer Religion oder einem religiös angehauchten Glauben gleichzusetzen, sondern ist eine reine Ansichtssache, die aus einer intellektuell-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Glaube hervorgeht. Er kann auch aus völliger Gleichgültigkeit, sich mit dem Thema Gott auseinandersetzen zu wollen, entstehen.
Manche Agnostiker sind Aussteiger, aus einer der großen Weltreligionen und widmen sich später dem Atheismus, Andere finden, über den Agnostizismus, einen Wieder – oder Neueinstieg in den Glauben.

Abstufungen innerhalb des modernen Agnostizismus

Der moderne Agnostizismus im heutigen Alltag ist, aufgrund seiner vielfältig ausgeprägten Haltung, nur schwer greifbar. Man findet derzeit folgende Abstufungen:

1. Der agnostische Theist zeigt eine erhöhte Bereitschaft an einen Gott zu glauben, als an dessen Nichtexistenz. Die agnostische Haltung ist schwach ausgeprägt. Vielleicht ist die Existenz eines Gottes irgendwann beweisbar.
2. Der neutrale Agnostiker stuft die Chance für die Existenz bzw. Nichtexistenz eines göttlichen Wesens, genau gleich ein.
3. Der agnostische Atheist geht davon aus, dass die Existenz eines Gottes unwahrscheinlich ist. Dessen Existenz wird nie beweisbar sein, kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Wie sieht Agnostizismus im Alltag aus?

Der Agnostizismus im Alltag ist im Wesentlichen durch seine neutrale Haltung geprägt. Er bezieht keine klare Position und er unterliegt nicht dem Zwang der Religionen. Ein Agnostiker muss sich, im Gegensatz zu einem Christen, nicht für eine Beziehung mit Gott bzw. Jesus entscheiden, um ein akzeptiertes und integriertes Mitglied der Glaubensgemeinschaft zu sein, in deren Rahmen er an Gottesdiensten und Bibelkreisen teilnimmt.

 

Wissenschaftliche Belegen werden nicht gesucht

Der Agnostizismus im Alltag unterliegt auch keiner Notwendigkeit, auf wissenschaftlicher Basis, eine Beweisführung für die Nichtexistenz Gottes zu finden.
Dennoch finden Agnostiker Inspiration in der modernen Literatur, wie zum Beispiel in den Werken von Richard Dawkins (Der Gotteswahn u.a.) oder Kurt Flasch (Warum ich kein Christ bin: Bericht und Argumentation) und beteiligen sich an Internetdiskussionen. Selbst bei Alphakursen (Einsteiger-Kurse) der Freien Evangelischen Gemeinden können sich interessierte Agnostiker einen eigenen Eindruck vom Umgang mit Glaubensansätzen machen.

Agnostizismus im Alltag – die friedliche Alternative

Gerade wegen seiner neutralen Haltung hat es der Agnostizismus im Alltag, vor allem aus Sicht der stark ausgeprägten Glaubensrichtungen, schwer. Man unterstellt den Agnosten verweichlicht und feige zu sein, weil sie keine klare Position beziehen.
Doch gerade wegen seiner Neutralität und Konfliktarmut ist der Agnostizismus im Alltag die ehrlichste und friedlichste Antwort auf die Frage nach der Existenz eines Gottes. Selbst der angesehene Astronom Carl Sagan präsentierte sich zu Lebzeiten als stolzer Agnostiker.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *